Ausziehen mehr wissen · besser mieten · schöner wohnen

Pflichten des Mieters vor dem Auszug Welche Arbeiten muss der Mieter hier übernehmen

Steht ein Umzug an, muss die alte Wohnung ordentlich übergeben werden. Doch welche Arbeiten muss der Mieter hier eigentlich übernehmen? Was und wie viel muss wirklich gestrichen, geputzt oder renoviert werden? Nachfolgend klären wir euch über die Rechte und Pflichten des Mieters beim Auszug auf:

Banner 728x90


Renovierungspflicht?

Eine generelle Pflicht zur Renovierung der Wohnung beim Auszug gibt es nicht – das ist Aufgabe des Vermieters. Dieser kann die Verpflichtung jedoch auf den Mieter übertragen. Ist eine Klausel für Schönheitsreparaturen im Mietervertrag vereinbart, müssen diese vom Mieter durchgeführt werden. Hierzu zählt alles, was mit Tapete und Farbe bewältigt werden kann. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob der Mieter einst in eine renovierte oder unrenovierte Wohnung gezogen ist.

Muss ein Mieter renovieren, müssen Wände und Decken, Fenster und Türen von innen sowie vorhandene Heizkörper gestrichen werden.


Wohnung im neutral gestrichenen Zustand übergeben

Abgesehen von der eventuellen Verpflichtung zu Schönheitsreparaturen, muss die Wohnung auf jeden Fall in einem farblich neutralen Zustand zurückgegeben werden. Auch wenn der Mieter laut Mietvertrag nicht zu Schönheitsreparaturen verpflichtet ist, darf er die Wohnung nicht mit farbigen Wänden und Decken übergeben. Tut er es doch, muss eventuell Schadensersatz geleistet werden.


Schönheitsreparaturen

Der Vermieter ist laut Gesetz eigentlich selbst für Renovierungsarbeiten zuständig. Meist verpflichtet er aber den Mieter per Mietvertrag, diese sogenannten Schönheitsreparaturen durchzuführen. Dann sind vom Mieter folgende Arbeiten zu leisten:

  • Streichen beziehungsweise Tapezieren von Wänden, Decken sowie Innenseiten von Fenster- und Türrahmen
  • Lackieren von Heizkörpern
  • Verspachteln und überstreichen von Bohrlöchern sowie Schäden im Putz


Renovierungsbedarf

Grundsätzlich muss eine Wohnung erst dann renoviert werden, wenn dies aufgrund ihres Erscheinungsbilds notwendig ist. Dennoch gelten grobe Fristen. Diese sind allerdings immer nur Anhaltspunkte und dürfen im Mietvertrag lediglich als Empfehlung auftauchen. Der Mieter kann nicht per Mietvertrag verpflichtet werden, innerhalb dieser Fristen zu renovieren.

  • Küche und Bad: etwa alle drei Jahre
  • Wohn- und Schlafräume, Flure, Dielen und Toiletten: etwa alle fünf Jahre
  • Sonstige Nebenräume: etwa alle sieben Jahre


Bohrlöcher verschließen

Möchte der Mieter kleine Baumaßnahmen durchführen, sind diese auch ohne Einwilligung des Vermieters möglich. Beim Auszug kann der Vermieter allerdings die fachgerechte Schließung von Bohrlöchern verlangen.


Teppichboden entfernen

Verlegt der Mieter eigenen Teppichboden, muss dieser auf Verlangen des Vermieters wieder restlos beseitigt werden. Hier sollten Mieter vorsichtig sein, wenn sie Teppichböden verkleben. Denn auch die Klebespuren müssen beim Auszug entfernt werden.


Parkettböden abschleifen?

Ist Parkettboden in der Wohnung vorhanden, kann der Mieter nicht verpflichtet werden, diese bei Auszug abzuschleifen und zu versiegeln. Eine entsprechende Klausel im Mietvertrag ist unwirksam, urteilte das Landgericht Berlin (Az.: 63 S 347/12). Eine Parkettklausel ist unwirksam – sie sei nicht mit der gängigen Definition von Schönheitsreparaturen zu vereinbaren. Durch die Klausel werde dem Mieter ein Übermaß an Reparaturpflichten auferlegt.


Ist eine Renovierung immer notwendig?

Laut Rechtsprechung, muss eine Wohnung vor einer Neuvermietung nicht immer komplett renoviert werden. Entscheidend ist, ob die Räume einen renovierten Gesamteindruck machen.


Besenreine Übergabe

Ist im Mietvertrag geregelt, dass die Wohnung bei Auszug „besenrein“ zu übergeben ist, sollte die Wohnung grundsätzlich sauber sein. Zu einer besenreinen Übergabe gehört, dass der Boden gefegt und der Teppichboden gesaugt ist. Zudem sollten grobe Verschmutzungen an Böden, Wänden und Decken entfernt werden. Auch die Heizkörper, Türen und Fenster sowie die Küchen- und Badezimmereinrichtungen sollten sauber sein.

Sollte der Mieter diese Reinigungsarbeiten nicht machen, kann der Vermieter eine Nachbesserung verlangen oder gegebenenfalls die Kosten für eine entsprechende Reinigung in Rechnung stellen. Zu hohe Anforderungen dürfen aber nicht an den Mieter gestellt werden. So kann auf eine Tiefenreinigung des Teppichs oder vorhandener Gardinen verzichtet werden, wenn dies nicht zur Beseitigung von Schäden notwendig sein sollte.


Müllbeseitigung beim Auszug

Der Mieter hat eine Räumungspflicht. Hinterlässt er trotzdem Müll oder Unrat, kann der Vermieter unter Umständen Schadenersatz für die Entrümpelung verlangen (Az.: 8 U 212/14). Der Mieter muss sowohl sämtliche Schlüssel zurückgeben, als auch seine Sachen vollständig räumen.


Ablöse für Möbel

Treffen Vor- und Nachmieter eine so genannte Ablösevereinbarung, ist dies nichts anderes als ein Kaufvertrag. Oft werden nach Beobachtungen des Mieterbundes für die Übernahme derartiger Einrichtungsgegenstände überhöhte Preise angesetzt. Das verbietet jedoch das Wohnungsvermittlungsgesetz. Danach darf der Kaufpreis nicht in einem auffälligen Missverhältnis zum Wert der überlassenen Gegenstände stehen. Das ist der Fall, wenn der Kaufpreis mehr als 50 Prozent über dem Zeitwert liegt.

Zahlt der Nachmieter für ein Möbelstück zum Beispiel 4000 Euro, obwohl der Zeitwert nur bei 1000 Euro liegt, ist der Kaufvertrag bis zu einer Summe von 1500 Euro gültig. Den zu viel gezahlten Betrag kann der Nachmieter bis zu drei Jahre lang zurückfordern – erst dann verjährt dieser Anspruch.

Wurde keine Absprache mit dem Nachmieter getroffen, darf der Vormieter keine Einrichtungsgegenstände in der Wohnung zurücklassen. Der Vermieter hat Anspruch auf Rückgabe einer leergeräumten Wohnung, und der Nachmieter hat Anspruch auf eine Wohnung ohne zurückgelassenes Inventar.