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Bezahlbare Studentenwohnungen in Berlin Von der Schwierigkeit eine angemessene Bleibe zu finden

Wer von außerhalb kommt und in Berlin studieren möchte, steht vor dem Problem, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Immer mehr junge Menschen zieht es in die Hauptstadt – gleichzeitig wird angemessener und bezahlbarer Wohnraum immer knapper. Folgender Erfahrungsbericht zeigt die schwierige Situation bei der Wohnungssuche auf:

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Marode Zustände zu horrenden Preisen

Das hatte sich Lisa K. anders vorgestellt: vollgekritzelte Tapeten, bröckelnder Putz, freiliegende Stromleitungen – und Türen gab es auch keine oder sie ließen sich nicht schließen. Für das 21 Quadratmeter große Zimmer in einer WG in Charlottenburg hätte Lisa 480 Euro Miete zahlen müssen – vor dem Einzug hätte sie zudem noch selbst renovieren müssen.

Zugesagt hat Sie vorsichtshalber trotzdem – bei all den negativen Erfahrungen während der Wohnungssuche in Berlin hatte Lisa Angst, am Ende ohne ein Zimmer dazustehen wenn das Semester startet. Die Wohnungssuche ging aber natürlich weiter.


Im Schnitt rund 400 Euro für ein Zimmer in Berlin

Lisa K. ist 23, kommt aus Hannover und studiert ab diesem Semester „Environmental Policy and Planning“ im Masterstudiengang an der Freien Universität (FU) in Berlin. Nach der Zusage begann sie direkt mit der Wohnungssuche. Lisa versendete hunderte Wohnungsanfragen per Mail und hat unzählige Telefonate geführt – zudem ist sie unzählige Male zu Besichtigungen nach Berlin gefahren.

Lisa ist leider kein Einzelfall – so wie ihr geht es den meisten Studenten, die neu in die Stadt kommen. Ein bezahlbares Zimmer in Berlin zu finden gestaltet sich mehr und mehr als Herausforderung. Einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zufolge, stiegen die Mietpreise für Studentenwohnungen in Berlin in den letzten sechs Jahren um 37 Prozent und somit stärker als in allen anderen Städten. Im Schnitt zahlten Studenten in Berlin rund 407 Euro für ein Zimmer. Die Top Ten der teuersten deutschen WG-Städte im Überblick.


Alternative Studentenwohnheim?

Lisa hätte niemals gedacht, dass sich die Wohnungssuche in Berlin so schwierig gestalten würde. Selbstverständlich hat sie auch im Studentenwerk nachgefragt – die vermitteln zwar Wohnheimplätze – aber nicht sehr viele. Zudem gibt es eine Warteliste, die mittlerweile auf über 3.000 Interessenten angewachsen ist.

Bereits am Tag der Zusage verschickte Lisa über 20 Anfragen auf Anzeigen, die sie in Onlineportalen gefunden hat – eine Rückmeldung erhielt sie nicht. Unzählige weitere Mails und Telefonate folgten. Oft stand auch schon in der Anzeige, dass man keine Antwort erwarten sollte, da die Nachfrage extrem hoch sei.

Kam dann doch mal eine Rückmeldung, wurde Lisa nach ihrem Facebook-Profil gefragt, um besser aussortieren zu können, wer nicht in die Wohngemeinschaft passt. Auf solche Nachrichten hat sich Lisa dann erst gar nicht mehr zurückgemeldet – sie wollte Mitbewohner finden, mit denen sie abends gemütlich zusammen in der Küche sitzen oder auch mal Sport machen kann.


Auch ein Makler konnte nicht helfen

Als das Studium und somit der Umzug nach Berlin immer näher rückten, haben Lisas Eltern sogar einen Makler beauftragt, eine Wohnung in Berlin zu suchen – egal ob zum Kauf oder zur Miete. Aber auch das führte nicht zum Erfolg. Es gab Wohnungsbesichtigungen, bei denen um die 200 Interessenten vor der Tür standen. Eine Chance sich jemandem vorzustellen gab es meistens nicht – allenfalls ist Lisa ihre Bewerbungsmappe losgeworden.

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Kein Einzelfall

Ähnliches hat auch Stefan M. erlebt – auch er kommt aus Hannover und ist mit Lisa befreundet. Er hat einen Studienplatz für BWL an der Humboldt-Universität (HU) in Berlin bekommen. In seiner Vorstellung hatte sich Stefan schon in einer WG in den angesagten Vierteln wie Mitte oder Kreuzberg gesehen. Auch er hatte sich die Suche nach einem WG-Zimmer einfacher vorgestellt – dachte er meldet sich auf ein Angebot, schaut sich die Wohnung an und bekommt die Zusage.

Stefan hat vier Wochen lang nach einem geeigneten WG-Zimmer gesucht. Wurde er zu einer Besichtigung eingeladen, war es ein „WG-Casting“. Solche Einladungen hat Stefan gleich abgesagt, er hatte keine Zeit mal eben so nach Berlin zu fahren, da er nebenbei noch gearbeitet hat. Auch wollte Stefan nicht mit 30 anderen Bewerbern konkurrieren, nur um ein Zimmer zu bekommen. Andere Studenten sehen das lockerer – bei Facebook finden sich viele aufwendig gestaltete Bewerbungsvideos von Wohnungssuchenden. Das zeigt wie schlimm die Lage ist. Stefan war erschrocken, wie freizügig sich da manche Frauen präsentieren, um eine Wohnung zu finden.

Stefan hat nur per Telefon gesucht – was zeitweise sehr ernüchternd war. So wurde er zum Beispiel gefragt, ob er an Gott glaube oder ob er tierlieb sei und mit zwölf Katzen in einer Wohnung zurechtkäme. Zwischenzeitlich hatte sich Stefan sogar einen Plan B überlegt – ein Freund von ihm ist mal für ein paar Wochen in einer Kirche untergekommen, weil er kein Zimmer gefunden hat. Die Kirchen hätte Stefan als nächstes abtelefoniert.


Randbezirk statt Szeneviertel

Schlussendlich war die Wohnungssuche bei Stefan dann doch noch von Erfolg gekrönt. Kurz vor Semesterbeginn bekam er einen Platz im Studentenwohnheim – damit hatte er wirklich nicht mehr gerechnet. Als er den Antrag gestellt hatte, wurde ihm mitgeteilt, dass es wohl aussichtslos sei. Doch Stefan hatte Glück.

Jetzt wohnt Stefan für 210 Euro Miete im Monat in Biesdorf. Das Wohnheim liegt 14 Kilometer von der Stadtmitte entfernt im Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Viel Platz hat sein Wohnheimzimmer nicht, ist aber möbliert mit Schreibtisch, Schrank, einem Bett und einer Pantry-Küche. Auch wenn es Stefan dort gefällt, schaut er sich weiterhin nach einem WG-Zimmer um.

Auch Lisa hatte Glück – zwei Wochen vor Semesterbeginn hatte sie sich als allererste Bewerberin auf ein Zimmer in einer Zweier-WG beworben. Weil die künftige Mitbewohnerin keine Lust auf ein Massencasting hatte, lud sie Lisa einfach zu einem Kaffee ein. Man verstand sich auf Anhieb und Lisa bekam noch am selben Tag die Zusage. Das Zimmer ist 13 Quadratmeter groß und befindet sich direkt in Mitte. Dafür nimmt Lisa auch die Miete von 470 Euro in Kauf.