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Hilfe bei der Wohnungssuche Bewerbungstraining für Mieter

Wer in Ballungsräumen heutzutage eine akzeptable und bezahlbare Wohnung finden möchte muss sich ins Zeug legen – eine ordentliche Bewerbungsmappe ist hier Pflicht, Heuchelei häufig hilfreich. Auch ein Einstecktuch bei der Besichtigung kann nicht schaden.

In der Arbeitswelt sind Vorstellungsgespräche und Konkurrenzkämpfe Normalität – doch auch bei der Wohnungssuche werden wir immer häufiger mit beidem konfrontiert. Unter Umständen kann Bewerbung um eine Wohnung heute härter sein, als die um eine neue Stelle.

An Massenbesichtigungen mit Dutzenden von anderen Bewerbern sowie kritische Fragen vom Makler haben wir uns mittlerweile ja schon gewöhnt – doch wenn Bewerbungsmappen bei der Besichtigung gefordert werden, sind viele überrascht.

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Bewerbungsmappe ist Pflicht

Wird eine Bewerbungsmappe bei der Wohnungsbesichtigung verlangt, sind viele Mitbewerber bereits aus dem Rennen, noch bevor sie sich und ihr gesichertes Einkommen anpreisen konnten. In Großstädten ist es jedoch längst gang und gäbe, dass Mietinteressenten ihre Unterlagen einreichen, noch bevor sie zur Besichtigung gehen.

Beinhalten sollte die Bewerbungsmappe ein Anschreiben, Gehaltsnachweise, eine Arbeitgeberbescheinigung sowie eine Bonitätsauskunft. Oft ist eine solche Mappe sogar die Voraussetzung dafür, überhaupt zur Besichtigung eingeladen zu werden.


Regeln bei der Wohnungsbewerbung

Viele Bewerber sind unsicher, welche Regeln bei der Wohnungsbewerbung gelten, und wie sie sich verhalten sollen. Während es hunderte von Coaches und Karriereexperten gibt sowie meterweise Ratgeberliteratur zu Bewerbungen, sind Wohnungsinteressenten meist auf sich allein gestellt. Der Wohnungsmarkt wird jedoch immer härter und Bewerber geraten in die traditionellen Rolle des Bittstellers – und als solcher kann man vieles falsch machen.

Viele Wohnungsbewerber stehen vor der Entscheidung: auffallen oder lieber Massenkompatibilität zeigen? Schleimen oder nicht?

Im Prinzip gilt bei der Wohnungssuche das, was auch für die berufliche Bewerbung gilt: Wer zuerst auf eine Annonce reagiert, der bekommt meist noch die volle Aufmerksamkeit des Maklers oder Vermieters. Sind erst einmal 50 Bewerbungen eingegangen, blocken viele Wohnungsanbieter weitere Bewerbungen erst einmal ab.

Hier kommt wieder die Bewerbungsmappe ins Spiel. Viele Wohnungssuchende haben die wichtigsten Formulare bereits im Internet hinterlegt: Gehaltsabrechnungen, Arbeitgeberbescheinigungen, Bonitätsnachweise, Mietzahlungsbescheinigungen der vergangenen zwölf Monate, Meldebestätigungen. Wollen Vermieter auch eine Kopie des Personalausweises sehen, kann dieser auch noch bei der Besichtigung vorgezeigt werden. Bei Selbständigen ersetzen Steuererklärungen und Kontoauszüge die Gehaltsnachweise. Bei Studenten sind oft Bürgschaften der Eltern gefragt.

Wer richtig Eindruck hinterlassen möchte, fügt seiner Bewerbungsmappe noch ein Empfehlungsschreiben vom früheren Vermieter mit bei.


Mit dem perfekten Anschreiben punkten

Auch ein Anschreiben gehört zur Bewerbungsmappe. Dieses dient zur gezielten Selbstvermarktung. Bewerber erklären hier, warum der Wohnungsbesitzer ausgerechnet sie als Mieter auswählen sollte. Floskeln werden hier nicht weiter Helfen – gehen Sie individuell auf die Gegebenheiten ein.

Auch einige Fakten wie zum Beispiel die Personenzahl im Haushalt, Familienstand, Berufe, Alter und Verdienst gehören ins Anschreiben. Diese Fakten müssen wahrheitsgemäß angegeben werden – falsche Angaben können später ein Kündigungsgrund sein.

Was Vermieter immer interessiert – warum zieht jemand um? Differenzen mit dem jetzigen Vermieter sind als Grund natürlich hinderlich. Hier machen sich neutrale Antworten wie zum Beispiel ein Stellenwechsel oder eine Trennung besser. Etwas mehr Eindruck schinden dagegen Sätze wie: Viele meiner Freunde leben schon im Viertel. Ich kenne schon einige Bewohner in Ihrem Haus. Oder: Mein Lieblingstheater und Sportclub ist gleich nebenan. Solche Antworten sagen sehr viel über Menschen aus. Mehr als die Hälfte aller Vermieter erhoffen sich, schon aus den schriftlichen Unterlagen etwas über die Persönlichkeit des Bewerbers zu erfahren. Nur dann lädt man jemanden zur Besichtigung ein.


Der Besichtigungstermin – der erste Eindruck zählt

Beim Besichtigungstermin geht es nicht darum, die Wohnung zu sehen, sondern darum, dass Makler oder Vermieter die Interessenten in Augenschein nehmen können. Hier sollte man sich eine gute Strategie überlegen – denn wer nicht positiv auffällt, hat meist keine Chancen auf die Wohnung. Pünktlichkeit ist auf jeden Fall Pflicht. Grundsätzlich gilt, dass die ersten zehn Sekunden entscheidend sind – diese sollte man dem Makler widmen, nicht der Wohnung.

Ein beherztem Händedruck, den Makler mit seinem Namen ansprechen und ihm dabei in die Augen sehen, macht einen guten ersten Eindruck. Nichts unterstreicht die Persönlichkeit mehr als die Kleidung, die wir gern tragen. Sie können der Auslöser dafür sein, dass ein Vermieter denkt: Wie sympathisch, den nehme ich!

Bei der Wohnungsbesichtigung hat man meist nur wenige Minuten Zeit, um das Gegenüber für sich zu gewinnen. Man wechselt höchstens ein paar Sätze und wird oft noch von anderen unterbrochen. Deswegen sollte man klar kommunizieren, was man will. Dem einen ist zum Beispiel ein schöner Balkon wichtig, weil er Hobbygärtner ist. Der andere will seine Mitbewohner kennen und mit ihnen Grillfeste feiern. Andere freuen sich, wenn sie engen Kontakt zum Vermieter haben – oder von ihm in Ruhe gelassen werden.

Natürlich bergen solche Gespräche die Gefahr, dass man Dinge preisgibt, die der andere gar nicht hören will. Deswegen scheuen viele Bewerber solche Aussagen – zu Unrecht! Ecken und Kanten machen einen Menschen sympathisch.

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Allerdings sollte man sich dabei lieber auf Themen beschränken, die auch etwas mit dem Wohnen oder mit eigenen Hobbys zu tun haben. Politische oder gar religiöse Diskussionen sind Tabu. Sollte der Vermieter dennoch nach solchen Dingen fragen, muss man darauf nicht antworten – oder zumindest nicht wahrheitsgemäß. Bei privaten Fragen darf man lügen, es gibt hier kein Auskunftsrecht des Vermieters.

Für den einprägsamen Auftritt bei Besichtigungen gibt es außerdem noch einen Trick: Wählen Sie möglichst den allerersten Besichtigungstermin, oder kommen Sie als Letzter. Auf beiden Positionen bleibt der Bewerber besser im Gedächtnis als im breiten Mittelfeld. Vermeiden sollte man zu bestimmtes Auftreten sowie Kritik an der Wohnung. Bewerber sollten vielmehr Begeisterung für die Wohnung zeigen.

Wer den Vertrag unterschreiben will, sollte dies ganz klar signalisieren. Am besten betont man dies noch einmal am Tag danach zum Beispiel mit einer Dankes-E-Mail. Sag, dass du die Wohnung willst, und zeige noch einmal auf, warum du gut in die Wohnung passt. Das tut von 20 Bewerbern höchstens einer. Danach heißt es Abwarten – wer nachhakt wann die Entscheidung fällt, kann aufdringlich wirken.


Spezialfälle

Ist man Musiker, Hundebesitzer oder gar Vater oder Mutter einer Großfamilie, sollte man am besten selbst eine Anzeige schalten und seinen vermeintlichen Mangel offensiv vermarkten – dies gelingt am besten, wenn kein Makler zwischengeschaltet ist.


Ohne Sympathie geht es nicht

Egal, wie gut sich ein Bewerber schriftlich und persönlich anstellt – wenn es nicht gelingt, einen echten Draht zum Vermieter herzustellen, helfen auch die beste Mappe und der beste Auftritt nicht weiter.