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Kann der Besuch der Nachbarskatze eine Mietminderung rechtfertigen?

Kommt ständig die Katze vom Nachbarn zu Besuch und dringt in die Wohnung ein, müssen Mieter dies nicht dulden. Laut Amtsgericht Potsdam kann der Mieter vom Vermieter verlangen, gegen den Nachbarn vorzugehen. Auch kann die Miete gemindert werden.


Im konkreten Fall hatte ein Mieter einer Erdgeschosswohnung täglich Besuch von der Nachbarskatze, was den Mieter sehr störte. Deswegen kontaktierte er seinen Vermieter und bat um Hilfe. Der Vermieter lehnte jedoch mit dem Hinweis ab, der Bewohner müsse sich selbst an den Nachbarn wenden. Zudem gehe es ja auch nicht um einen Mangel im mietrechtlichen Sinn.

Die Richter sahen dies an. Ihrem Urteil nach müsse der Vermieter im Zweifel auf den Katzenbesitzer einwirken, um Belästigungen durch dessen Katze zu vermeiden. Zum vertragsgemäßen Gebrauch einer Wohnung gehört es nämlich, dass Fenster und Terrassentüren geöffnet werden können, ohne dass es zu Belästigungen kommt. Geschehen diese doch, kann der Mieter Unterlassung verlangen. Da in diesem Fall der Wohnwert durch die häufigen Besuche der Katze für den Mieter eingeschränkt ist, sei außerdem eine Mietminderung zulässig (Amtsgericht Potsdam (AZ: 26 C 492/13)).


Kann man Katzenhaltung grundsätzlich verbieten?

Ein Mieter darf in seiner Wohnung Kleintiere auch ohne die Zustimmung des Vermieters halten – Katzen gehören allerdings nicht in diese Kategorie. Hier gilt, was im Mietvertrag vereinbart wurde. Grundlos darf der Vermieter die Haltung einer Katze aber nicht verbieten.

Im vorliegenden Fall hat sich die Mieterin einer rund 40 Quadratmeter großen Wohnung zwei Katzen zugelegt und deswegen am Balkon zwischen Brüstung und darüber liegenden Balkon ein Katzennetz angebracht. Im Mietvertrag war geregelt, dass die Tierhaltung ohne die Einwilligung des Vermieters nicht gestattet ist. Davon ausgenommen waren Kleintiere „im Rahmen des vertragsgemäßen Gebrauchs“.

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Das Urteil

Die Vermieter waren hier weder mit den Katzen noch mit dem Netz einverstanden und klagten – hatten aber nur teilweise Erfolg. Das Amtsgericht München urteilte, dass Katzen zwar kleine Kleintiere sind und somit die Haltung ohne Einwilligung des Vermieters grundsätzlich nicht erlaubt sei – Vermieter dürften ihre Zustimmung zur Haltung von Katzen allerdings nur dann verweigern, wenn das Tier die Wohnung beeinträchtigt oder andere Personen belästigt oder gefährdet.

Im vorliegenden Fall sahen die Richter aber keinen dieser Punkte erfüllt, da die Katzen lediglich in der Wohnung gehalten werden. Eine Belästigung des Vermieters oder anderer Mieter liege deswegen nicht vor. Von einer Lärmbelästigung sei ohnehin keine Rede gewesen. Auch die Behauptung der Vermieter, die Katzen würden den Teppich beschädigen und verunreinigen, habe sich als Behauptung ins Blaue hinein herausgestellt.

Auf Nachfrage haben die Vermieter angegeben, dass ihnen konkrete Schäden nicht bekannt sind – sie diese lediglich vermuteten. Auch die Größe der Wohnung ist für die Haltung der zwei Katzen durchaus geeignet. Triftige Gründe, die Katzenhaltung zu untersagen, seien somit nicht gegeben.

Jedoch ist die Mieterin verpflichtet, das Katzennetz zu entfernen, da hiervon eine optische Beeinträchtigung ausgehe, die die Vermieter nicht dulden müssten. Die Mieterin werde durch die Pflicht zur Entfernung auch nicht unverhältnismäßig in ihren Rechten eingeschränkt. Sie könne die Katzen auf den Balkon lassen, wenn sie anwesend sei und sie beaufsichtigen könne.

Amtsgericht München am 26. Juli 2012 (AZ: 411 C 6862/12)