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Mietminderung bei Kinderlärm in der Nachbarwohnung? Lärmbelästigung durch Stampfen, Springen, Poltern und Schreien

Eine Mieterin, die seit 2014 in einer Erdgeschosswohnung in Berlin wohnt, verlangte vom Vermieter eine Rückzahlung vermeintlich zu viel gezahlter Miete, weil es nach Einzug einer neuen Familie in der darüber liegenden Wohnung Ende 2012 ihrer Behauptung nach, zu ständigem Kinderlärm durch Stampfen, Springen, Poltern, Schreien und Lärm durch lautstarke familiäre Auseinandersetzungen komme.

In dem von der Mieterin geführten Lärmprotokoll waren überwiegend durchschnittlich für etwa jeden zweiten Tag Störungen in den Morgenstunden von etwa 6 Uhr bis 8 Uhr und in den Abendstunden von etwa 17 bis 20 Uhr vermerkt. Die Mieterin verlangte zudem die Beseitigung der lärmbedingten Störung und Feststellung einer Minderung der Miete bis zur Beseitigung der von ihr behaupteten Lärmstörung.



Wie das Landgericht Berlin urteilte

Das Landgerichts Berlin urteilte, dass die Mieterin keinen Anspruch auf Beseitigung der von ihr behaupteten Lärmbelästigung, auf Feststellung einer Mietminderung oder auf Rückzahlung vermeintlich zu viel gezahlten Mietzinses hat (Az. 67 S 41/16).


Eltern grundsätzlich verpflichtet, Kinder zu einem rücksichtsvollen Verhalten anzuhalten

Die Mieterin weist zutreffend darauf hin, dass Kinderlärm aus Nachbarwohnungen nicht in jeglicher Form, Dauer und Intensität von Mitmietern hinzunehmen ist, nur weil er eben von Kindern stammt.

Grundsätzlich muss man bei jeder Art von Lärm auf die Belange und das Ruhebedürfnis von Nachbarn Rücksicht nehmen. Eltern und andere mit der Erziehung von Kindern betraute Personen sind deshalb grundsätzlich verpflichtet, Kinder zu einem rücksichtsvollen Verhalten bezüglich ihrer Bewegungen und akustischen Äußerungen anzuhalten.


Bei Sozialwohnungen ist ein höheres Maß an "Geräuschtoleranz" zu erwarten

In Wohnungen mit dieser Größe und Anzahl der Zimmer ziehen in der Regel nicht alleinstehende Personen, sondern eher Familien mit Kindern ein. Auch handelt es sich hier um ein Haus, das mit Hilfe öffentlicher Mittel errichtet wurde. Von Mietern in öffentlich geförderten, familientauglichen Wohnungen ist deshalb ein höheres Maß an "Geräuschtoleranz" zu erwarten als von Mietern extrem teurer Altbauwohnungen, Luxusappartements oder als "seniorengerecht" angebotener Wohnungen.


Rennen, Stampfen und Springen sind normale Fortbewegungsarten bei Kindern

Laut den Richtern sind Rennen und Stampfen bei Kleinkindern die normale Fortbewegungsart und entsprechen dem natürlichen Bewegungsdrang. Dies ist von Mitmietern als ein Schritt der natürlichen Entwicklung von Kindern hinzunehmen und entspricht der normalen Wohnnutzung.


Gelegentliches Schreien von Kindern, stellt keine erhebliche Beeinträchtigung des Wohngebrauches dar

Da Kleinkinder naturgemäß nicht in der Lage sind, ihren Unmut differenziert auszudrücken, bedienen sie sich akustischer Äußerungen, die von anderen Personen als Schreien und Brüllen wahrgenommen werden.

Sofern es sich lediglich um ein gelegentliches (nächtliches) Schreien von Kindern handelt, stellt dieses keine erhebliche Beeinträchtigung des Wohngebrauches dar, sondern es entspricht üblicher Wohnnutzung.

Insgesamt war das hinnehmbare Maß bezüglich der Lebensäußerungen von Seiten der Mitmieter, ihrer Kinder oder sonstiger Nachbarn noch nicht überschritten. Die Klage hatte somit keinen Erfolg (Landgericht Berlin, Urteil vom 05.09.2016 - 67 S 41/16).


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