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Nachbarrecht – ist Musik Lärm? Zum Streit über zu laute Musik.

Immer wieder kommt es zwischen Nachbarn zum Streit über zu laute Musik. Für die einen ist das Musizieren ein Ausdruck von Kreativität und Lebensfreude – für andere einfach nur Lärm. Doch handelt es sich beim Musizieren wirklich um Lärm? Nein – entschied das Amtsgericht München.


Im vorliegendem Fall spielen die Kinder des einen Nachbarn seit Jahren regelmäßig die Musikinstrumente Schlagzeug, Tenorhorn und Saxofon. Dadurch fühlten sich die anderen Nachbarn gestört – sie behaupten, die Kinder würden auch während der vorgeschriebenen Ruhezeiten regelmäßig musizieren und eine Lautstärke von deutlich über 55 dB erreichen – teilweise sogar bis zu 70 dB. Die Nachbarn klagten und verlangten, dass die Kinder es unterlassen, Lärm mit Ihren Instrumenten in einer Weise zu erzeugen, die die Nutzung ihres Anwesens wesentlich beeinträchtigt.


Richter weist Unterlassungsklage ab

Die Unterlassungsklage wurde vom zuständigen Richter abgewiesen, weil in den vorgelegten Lärmprotokollen, über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren, weniger als eine Handvoll relevanter Fälle festgehalten wurden. Daraus sei zu schließen, dass in den Mittagsstunden in der Regel nicht musiziert wurde. Möglicherweise hat es einige wenige Ausreißer gegeben – hier müsse aber berücksichtigt werden, dass es sich um minderjährige Kinder handelt.


Musizieren in der Regel kein Lärm

Das Gericht hat darauf verzichtet, die Lautstärke durch einen Sachverständigen messen zu lassen. Musik könne nur dann als Lärm bezeichnet werden, wenn jemand beim Musizieren die Absicht hat, lediglich irgendwelche Geräusche zu produzieren. Dies sei hier nicht der Fall. Zudem müssten bei der Güterabwägung auch die Vorgaben der Verfassung berücksichtigt werden – die gesunde Entwicklung junger Menschen steht unter dem besonderen Schutz und in dem besonderen Interesse des Staates. Bei Abwägungsfragen habe sich die Gesellschaft an dieser Wertentscheidung zu orientieren. Deswegen hat das Interesse der Kinder am Musizieren Vorrang vor den Interessen der Kläger.

Amtsgericht München, Urteil vom 29.3.2017, 171 C 14312/16